Tag 16 – Heimreise – Fazit

Nach einem einfachen Frühstück holte uns am Hotel ein gebürtiger Argentinier mit seinem Taxi ab und fuhr uns munter plaudernd die 10 km zum Flughafen.

Mit Umstieg in Madrid sind wir in Frankfurt planmäßig gelandet. Der ICE fuhr auch pünktlich ab, zuckelt aber immer noch durch Hessen – Personen im Gleisbett… Das Deutschlandspiel war zwar nicht gut – aber so schlecht nun auch nicht.

Wir sind in den 14 Tagen auf dem Camino del Norte Santiago um 300 km näher gekommen. Im nächsten Jahr sind es dann nur noch 232 km (von insgesamt 840 km) plus evtl. 90 km bis zum „Ende der Welt“ zum Kap Finisterre.

Unser Resümee für diesen 2. Teil:

Der Weg war landschaftlich wieder sehr interessant und abwechslungsreich. Mit dem Wetter und Unwetter hatten wir sicher etwas Pech. Die Qualität der Wege war aufgrund dessen stellenweise sehr schlecht. Ohne Capes, hohe Wanderschuhe und Stöcke wären wir nicht so durchgekommen.

Die kleinen Hotels und Unterkünfte, die wir nutzten, wurden – umso weiter wir nach Asturien reinkamen – immer günstiger. Alle Häuser hatten 1 bis 3 Sterne, die aber stets ausreichten. Für die Mittag-/Abendessen bekamen wir für kleines Geld sehr viel und vor allem Gutes gereicht – auch hier die Tendenz nach Westen günstiger.

Das Thema mit meinen Strümpfen benötigt noch einiger Selbstversuche. Aufgrund der Nässe der letzten Tage habe ich notgedrungen auf die Falke-Socken zurückgegriffen – und das ohne jegliche Hautreaktion.

Auf eine Übersicht mit den gewohnten Tipps verzichten wir dieses Mal. Am Ende des Teil 1 waren wir ja sehr ausführlich auf viele Punkte eingegangen. Wer mag, kann ja dort nochmal nachschlagen.

Wir danken den vielen Begleitern unseres Weges ganz herzlich und wünschen allen bis 2019 ein

Bon Camino!

Tag 15 – von Luarca nach Navia (23 km)

Einen besseren Start in unseren letzten Tag hätten wir uns nicht wünschen können. Das Wetter hatte was gut zu machen – und das tat es auch. Die Sonne lachte gleich morgens und wir nahmen unsere Frühstückszutaten mit auf den Berg zu einer kleinen Kapelle, die nicht weit vom Camino liegt.

Luarca erwacht
Unser Frühstücksplatz oberhalb der Stadt

Bei so einem Wetter war klar, dass wir noch eine Etappe dranhängen.

Auch wenn Carstens Schuhe noch nass waren und meine noch tropften (kein Scherz – trotz viel Zeitungspapier, das schon einige Feuchtigkeit aufgenommen hat), freuten wir uns auf den Weg nach Navia. 23 km über meist asphaltierte aber auch schöne Waldwege durch flachere Landschaften waren kein Problem. Heute gab es auch immer eine gute Sicht auf die Berge, die in den letzten 2 Wochen meistens zumindest teilweise in Wolken verhüllt waren.

unterwegs
Pilger grüßen Pilger

Natürlich genossen wir den Meerblick immer und immer wieder.

Auf der Hälfte des Weges liefen wir auf eine ältere Frau auf, mit der wir uns die nächsten Meter sehr nett unterhielten. Es war eine Belgierin, um die 70, die perfekt Deutsch sprach. Sie strahlte so eine große Ausgeglichenheit, Ruhe und Freundlichkeit aus, die gut tat. Es ist ihr zweiter Camino und ihr Ziel ist nicht Santiago sondern Ferrol, wo der Camino Inglès beginnt.

Als Navia dann in Sicht kam, fühlten wir uns beide erschöpft und müde. Wenn wir unseren Weg noch fortgesetzt hätten, wäre morgen ein Ruhtag – nach 15 Tagen wohl auch angebracht.

Am Hafen genossen wir unser letztes Menü del Dia.

Hafen von Navia

Gegen 5 sind wir dann mit dem Bus – die Busverbindungen, auch über längere Distanzen, sind in Spanien genial – die 75 km nach Avilès zurückgefahren. Praktisch den ganzen Weg der letzten 5 Tage in 90 Minuten. Wir waren unglaublich stolz auf uns, als wir die Landschaft vorbeiziehen sahen, die wir bezwungen haben. Von Avilès fuhren wir nochmal 15 min. nach Navences. Unser Hotel liegt nur 10 Autominuten vom Flughafen, wo unser Flieger morgen früh über Madrid nach Frankfurt fliegt.

Aber den letzten Abend hier in dieser kleinen netten Bucht genießen wir erst noch.

Bucht von Nameces

Tag 14 – von Cadavedo nach Luarca (15 km)

Vorab das Fazit des Tages: Eukalyptuswälder eignen sich nicht als Regenunterstand und GorTex-Schuhe sind auch nicht das, was sie versprechen…

Die letzte Nacht verlief nicht ganz so ruhig wie erwartet. Die Hellhörigkeit des Hauses, das späte Zubettgehen der Spanier, die 3 Haushunde und dutzende   Dorfhunde ließen uns erst nach Mitternacht schlafen.

Der graue Himmel veränderte kurz nach unserem Start heute morgen seine Farbe in Dunkelgrau und die Schleusen des Himmels öffneten sich. Als wir nach 9 km die erste Pause machten, waren unsere Capes innen schon komplett nass.

Rast nach 9 km

Leider setzte sich das Wetter so fort – laut Wetter Online sollte es eigentlich nur ein grauer Tag ohne Regen werden… Und eigentlich war die heutige Etappe landschaftlich sehr schön, durch besagte Eukalyptuswälder und kleine Dörfchen – wenn wir etwas durch den Regenschleier gesehen hätten.

Aufgrund des starken Regens und eines Hangrutsches in den letzten Tagen war ein Teil des Weges versperrt und es empfahl sich, die Straße mit den dazugehörigen Umwegkilometern in Kauf zu nehmen. So wurden aus den 15 insgesamt 19 km.

Unsere Moral war mächtig im Keller. Mir stand die letzten 5 km das Wasser im Schuh.

Zum Glück hatten wir gestern schon ein schnuckliges Hotelzimmer in Luarca gebucht, in das wir gleich rein konnten.

Hotel Villa Luarca – Zimmer 110 !!!

Mit einem leckeren Mittagessen haben wir uns belohnt.

Nachdem es gegen 6 endlich aufhörte zu regnen, schauten wir uns in dem netten Städtchen um. Sieben Brücken überspannen den Fluss Rio Negro und ergeben zusammen mit der Einmündung im Hafen und dem zwischen den Bergen eingezwängten Stadtzentrum ein hübsches Bild.

Luarca am Abend
Hafen

Anschließend suchten wir uns eine Bar zum Fußballschauen. Das Interesse bei den Einheimischen war überraschender Weise gering, aber wir fanden ein Plätzchen im gleichen Lokal wie Mittags. Das Lokal wimmelte von Pilgern. Ein Fahrradpilger, Manfred aus Ingolstadt – er erinnerte mich sehr an Andreas P. – hatten wir schon kurz vor Luarca getroffen. Er hatte zwei Platten nacheinander und war am Schieben. Im Lokal freute er sich sehr, als Carsten ihn zu uns an den Tisch einlud. Manfred ist ungefähr unser Alter und es ist nach dem France vor 2 Jahren sein zweiter Camino. Es war ein sehr kurzweiliger interessanter Abend – natürlich nicht zuletzt aufgrund des Fußballspiels. Martina freute sich (nicht zu laut) über die drei Tore von CR7 und für die Spanier war es ein akzeptables Ergebnis.

Tag 13 – von Novellana nach Cadavedo (15 km)

Nach einem sehr guten Frühstück und einem fast blauen Himmel konnte der neue Tag nicht besser beginnen.

So wie der Weg gestern endete, so setzte er sich fort. Aber da die Tagesetappe lediglich 15 km lang war, konnte uns nichts davon abhalten – zumindest vorerst.

(Unsere Wegaufzeichnung war uns zum Ende hin abhanden gekommen)

Gleich zu Beginn trafen wir auf Juan, einen jungen Spanier aus Saragossa, den wir die letzten Tage schon immer mal trafen. So kämpften wir uns gemeinsam durch die ersten Höhen und Tiefen des Weges.

Juan aus Saragossa

Es waren auch wieder neben den schon gewohnten knöcheltief matschigen Passagen mehrere Bachläufe zu überqueren. Bei einem ging es wieder nur ohne Schuhe durch, Erfahrung macht sich bezahlt. Danach ging Juan sein Tempo weiter. Wir sollten ihn aber am Abend wiedertreffen.

Als Belohnung zwischendurch kamen wir an eine verträumte Bucht, die natürlich mit Sonne und dem Blau des Himmels noch zauberhafter wirkte.

Ein paar Kilometer weiter war für uns ein Wegstück unüberwindbar: ein 10 m langes Stück des Hohlweges, der 30 cm tief geflutet war – auch mit den Exkrementen der benachbarten Kuhwiese. Barfuß war daher auch keine Option. Parallel zu diesem gesamten Abschnitt des Camino gibt es alternativ eine alte kaum befahrene Landstraße. Langweilig und fad – aber zumindest trocken. Und so ging es mit einem kleinen Umweg auf Asphalt weiter. Der nächste Ort dann war schon unser Ziel für heute.

Rast am Straßenrand

Cadavedo ist ein verstreutes Dorf mit allem, was man so braucht. Unsere Herberge ist sehr nett, familiär geführt mit einem wunderbaren Garten. Die Vermieterin, Alicia, um die 40, wohnt mit ihrer Mutter, 3 Hunden und einer Katze (alles was für meinen Mann) hier. Sie vermietet 2 sehr schöne Doppelzimmer. Man fühlt sich sehr willkommen. Alicia spricht Englisch und sogar etwas Deutsch, was die Verständigung natürlich erleichtert.

Das ist auffallend hier in der Region. Viele vor allem junge Menschen können nur schlecht oder meist gar kein Englisch.

Unser abendlicher Spaziergang führte uns auf Tipp unserer Gastgeberin zu einer kleinen Kapelle am Rand der Klippen mit einem traumhaften Blick.

Bucht von Cadavedo
Blick zurück der Küste entlang
Blick nach vorn – Richtung Westen

Morgen haben wir noch einmal eine kurze Etappe vor uns. In Luarca werden wir am Nachmittag einteffen – das war das eigentliche Ziel unserer diesjährigen Pilgerreise. So schnell vergehen 2 Wochen – unglaublich. Aber da wir unseren Reservetag noch offen haben, laufen wir am Samstag vielleicht noch eine Etappe weiter. Stand heute: 265 km seit Santillana del Mar oder aber 265 km nach Santiago de Compostella. Eigentlich könnten wir durchlaufen…

Tag 12 – von Muros de Nalón nach Novellana (23 km)

Ein noch grauer Morgen begrüßte uns. Gleich nach Muros de Nalón führte der Weg direkt in den Wald. Eigentlich mögen wir Wälder und die Wege dort. Aber das Erdreich versucht seit 3 Tagen die Regenmassen mehr schlecht als recht zu verdauen. Was bedeutet, dass die knöcheltiefen matschigen Wege oder auch fließenden Bächlein unsere Wanderung erheblich erschwerten. Denn für diese Strecken brauchten wir fast das Doppelte an Zeit und man hat das Gefühl einfach nicht vorwärts zu kommen.

Diese Erdrutsche waren aber zum Glück die Ausnahme.

Erdrutsch nach den Unwettern

Aber es gab auch Lichtblicke – zum Beispiel die Sonne, die sich aufmachte, uns den ganzen Tag zu erfreuen oder auch die kleine Stadt El Pito.

Sehenswertes in El Pito

Nach dem nächsten Waldabschnitt eröffnete sich wieder einmal der Blick zum Meer und in der kleinen Bucht von La Magdalena endlich die Gelegenheit einer Rast.

Bucht von La Magdalena

Der Camino verlangte heute so einiges von uns ab. An- und Abstiege wechselten sich stetig ab und die schlechte Wegqualität raubte Kraft ohne Ende – und die Laune sank.

Erschwerend kam auch bei dieser Etappe wieder die Vielzahl an Varianten hinzu, die Pilger-Jost in seinem Büchlein vermerkt. Ein Pilger will nicht ständig ins Buch schauen und sich eigentlich nur auf die Muschel oder den gelben Pfeil verlassen.

Drei Brücken – drei Ebenen für Autobahn, Nationalstraße und Feve-Zug

Aber dann – kommt man zu so einem Aussichtspunkt, der wie gemalt und viel zu schön für den Moment scheint.

unterwegs

Nach den nächsten harten Kilometern war unser Zielort Novellana schon in Sichtweite.

Das Ziel naht…

Und die Laune stieg wieder an…

Nach einem knackigen Abstieg aber die Ernüchterung: eine kleine Furt hatte sich durch den Regen in ein reißendes Gewässer verwandelt. Ein Zurück gab es nicht – also hieß es Schuhe und Strümpfe aus und ganz ganz vorsichtig durch…

Ein Hindernis 500 m vorm Ziel

Zur Belohnung gab es in unserem kleinen Hotel nach der Ankunft ein wunderbares Essen (und wieder für nur 24 € inkl. Wein für beide), wofür es weit und breit bekannt ist.

Die Belohnung: Fischsuppe, gegrillter Seehecht und Käsekuchen – asturischer Art

Novellana hat nur 270 Einwohner, liegt 1 km von der Steilküste entfernt und wurde schon zwei Mal zum schönsten Dorf Asturiens gewählt. Ein kleiner Bummel bestätigte es uns.

Und das ist keine Ausnahme – wir sind von fast allen Örtchen, die wir entlang des Camino seit Irun passiert haben, von Sauberkeit und Schönheit angetan.

Hortensienpracht

Tag 11 – von Salinas nach Muros de Nalón (19 km)

Da denkt man, es kann nur noch sonniger und trockener werden – weit gefehlt. Letzte Nacht bis in den Morgen regnete es durchweg. Wir entschieden uns, noch etwas zu warten und holten vom Café um die Ecke etwas zum Früchstück, gegen 9 Uhr hörte es dann doch auf und wir konnten starten.

Wir haben nicht erwartet, dass wir uns mal auf asphaltierte Wege freuen würden. Aber nach den Wassermassen der letzten Tage taten wir das. Ein grauer Himmel, kalter Wind und Temperaturen um die 15 Grad wurden unsere Begleiter heute. Die letzten 6 km vor unserem Zielort führte der Weg dann doch noch durch den Wald, was ja eigentlich sehr schön ist. Man musste sich auf jeden Schritt konzentrieren. Heute hatten bestimmt so einige Pilger eine Rutschpartie durch den Schlamm.

Das Wetter spielt wirklich verrückt. In Thüringen ist seit Ende April Sommer mit wenig Regen, in ganz Spanien ist es kühl und es regnet. Sicher ist es hier an der Atlantikküste immer etwas kühler und es regnet mehr. Aber so wie es derzeit ist, ist es wohl auch nicht normal. Und die Auswirkungen der Unwetter und Überschwemmungen sind in ganz Asturien spürbar.

Der Fluß Ria de Nalón
Bucht von San Esteban
Unser Zielort ist in Sicht

Im kleinen Städtchen Muros de Nalón haben wir uns ein kleines Appartement in einem modernen Reihenhaus gemietet. Das hat die Vorteile: unsere Wäsche wäscht die Waschmaschine und zum Abend gab es einen leckeren Salat, den wir uns in der kleinen Küche zubereitet haben. Nach all dem Schlemmen der letzten Menü del Dias (auch heute Mittag wieder) passt nix mehr rein.

Tag 10 – von Gijon nach Salinas (15 km)

Unser Hotel Blue Santa Rosa war eine tolle Adresse in Gijon. Ein sehr modern eingerichtetes Hotel mittendrin in der Altstadt und einem klasse Frühstück für uns beide für 41 €.

Nach einem heftigen Unwetter in der Nacht – wie heftig sollten wir später noch erleben – nahmen wir die Buslinie 24 und fuhren ca. 8 km aus der Stadt bis nach Poago.

Der Bus fuhr entlang riesiger Industriewerke. Von der erhöhten Straße sahen wir schon überflutete Passagen mit übereinander gestapelten Autos.

Dank einer aufgeregten Passagierin kehrte unterwegs der Busfahrer noch mal um – er hatte einfach mal drei Haltestellen umfahren – unsere war auch dabei.

Die Bushaltestelle war gefühlt inmitten eines Stahlwerks. Der Weg führte von hier 100 m steil bergan und wir befanden uns dann schon auf dem Camino (Dank der perfekten Planung meines Mannes). Der erste Blick zurück bestätigte uns in unserer Entscheidung, den Bus zu nehmen.

Industriegebiet hinter Gijon

Die ersten 4 km verlief der Weg durch einen hohen Eukalyptuswald auf steinigem Boden. Schon bald hatten wir mächtig zu tun, trockenen Fußes voran zu kommen.

Das nächste Dorf hatte es schlimm erwischt. Ein kleiner Bach wurde zum reißenden Strom und überspülte die Dorfstraße.

Auch unser Etappenziel Avilès ist ein Industrieort mit entsprechenden Vororten. Nach 3 km hatten wir die Nase voll davon, an einer Hauptstraße entlang an gigantischen Dreckschleudern zu laufen. Ein Zug (aufgrund der Unwetterschäden verspätet) brachte uns die letzten 5 km ins Zentrum einer sehr schönen alten Stadt.

Kirche aus dem 12. Jahrhundert
Rathaus von Avilès

Auf der Suche nach einem Mittagessen kamen wir an diesem urigen Lokal nicht vorbei. In dieser typisch asturische Sidreria wird nicht nur gut gegessen, sondern man kann natürlich den Sidra genießen – wer ihn mag. Der Eingießer füllt den Sidra im hohen Bogen aus der Flasche (mit ausgestrecktem Arm über dem Kopf) in ein Glas (mit der anderen Hand ganz tief gehalten) – wobei er nur auf den Strahl schaut. Eingeschänkt wird nur ein kleiner Schluck, der sodann auch gleich getrunken wird, weil nur so diese beliebte Spritzigkeit genießbar ist.

Auch wenn der Geruch nach abgestandenem Apfelwein etwas gewöhnungsbedürftig ist, haben wir die Wahl des Lokals nicht bereut. Eine Menü del Dia mit allen nur vorstellbaren Köstlichkeiten. Es gab vier Gänge, wobei man aus 2 Gerichten wählen konnte – so hatten wir 8 verschiedene Speisen. Das ganze inkl. Wein für 20 € für uns beide. Und so sah das aus:

Menü del Dia im Lokal Terra Astur

Nach dem Essen konnten wir uns kaum noch bewegen. Und so nahmen wir nach einem Stadtbummel den nächsten Bus nach Salinas.

Strand von Salinas

Architektonische Bausünde in dieser tollen Bucht
Unser Quartier in Salinas – eine Surferunterkunft für uns allein

Der Ort liegt zwar etwas abseits vom Camino, aber die Strandlage hat uns überzeugt. Natürlich haben wir abends noch einen Spaziergang auf der Strandpromenade unternommen, aber es war sehr kalt, windig und irgendwann kündigte sich der Regen an. Darum schreiben wir bei einem Bier nun in der Surfschule unseren Bericht.

Der Tag war übrigens heute meist sonnig – bis auf einen kurzen Regenschauer gleich zu Beginn und ab 20 Uhr.

Tag 9 – von Villaviciosa nach Gijon (20 km)

Endlich mal eine offene Kirche – Santa Maria de la Oliva

Bei unserem abendlichen  Bummel durch Villaviciosa (im Regen) kamen wir an dieser schönen mittelalterlichen Kirche vorbei. Leider finden sich entlang des Weges ganz ganz wenig offene Kirchen. Meist sind sie mit einem Vorhängeschloss zusätzlich gesichert und werden nur zu den Gottesdiensten geöffnet.

Apfelmonument – ehrt die Frucht und den spritzigen Apfelwein, dem Sidra

Ein anderer Pilger, ein Österreicher, hatte sich auch in dem netten Hotel niedergelassen – so fiel unser gemeinsames Frühstück etwas länger aus. Er konnte diese Etappe heute nur mit dem Bus bewältigen. Nach seinen eigenen Worten schlecht vorbereitet – war er mit 15 kg Rucksack und viel zu langen Etappen mit 35-40 km erst in Bilbao gestartet. Mit einer Sehnenentzündung im Schienbein braucht er nun erstmal ne Pause.

Nach schweren Gewittern in der Nacht ging es bei grauem Himmel aber trocken in die so angekündigte „Königsetappe“, die es wirklich in sich hatte. Auf 2,5 km stiegen wir von 80 m auf 430 m meist auf einem Asphaltweg steil bergan. Danach ging es genauso steil wieder bergab. Für den zweiten Berg, der sich direkt anschloss, mussten zwar nur 200 Hm überwunden werden, dafür aber auf einem zum Teil tief ausgespültem Hohlweg.

1. und 2. Anstieg

Für Abwechslung sorgte allerdings eine Gruppe von ca. 15 Läufern, die den gleichen Weg von Villaviciosa nach Gijon joggten.

Läufergruppe

Zwischen den zwei Bergen an einer Bar wurden wir mit stehenden Ovationen, singend und klatschend empfangen. Das war super nett und auch für die anderen Besucher sehr lustig. Und mehr Motivation geht nicht.

unterwegs

Nach dem ersten Pass haben wir einen alten Pilger, geschätzt 80 Jahre, überholt, der mit viel zu viel Gepäck und schief sitzendem Rucksack unterwegs war. Er erkundigte sich, ob wir seinen Freund, einen älteren Herrn gesehen haben. Da wir bis hierher noch keinen Pilger überholt haben, war der alte Pilger sehr traurig, da er seinen Freund verloren glaubte. Nachdem wir im Tal die freundliche Begrüßung durch die Laufgruppe erlebten, haben wir den gesuchten Pilger am Tisch sitzend gesehen. Es stellte sich heraus, dass es ein 82-jähriger Amerikaner mit deutschen Wurzeln war. Er freute sich sehr, dass sein ebenso alter Freund ihn sucht und auch bald ankommen würde. Wenn wir in dem Alter noch so fit sind…

Für die letzten 6 Kilometer haben wir uns ab dem Campingplatz in Deva einen Bus nach Gijon gegönnt. Es ist nicht schön, durch endlose Vorstädte oder Industrie-/Gewerbegebiete zu laufen, wenn man zuvor ein schönes romantisches Dorf nach dem anderen durchquert hat!

Wir haben inzwischen gegenüber unserer Planung einen Tag Vorsprung und könnten uns eigentlich in Gijon einen Ruhetag gönnen. Aber unser erster Eindruck von der Stadt lässt uns wahrscheinlich morgen weiter laufen.

Fällt Euch zu Gijon etwas ein? Die Schande von Gijon!? 1982 spielte Deutschland in der Gruppenphase hier gegen Österreich 1:0 … Das Ergebnis reichte beiden Mannschaften, um eine Runde weiter zu kommen. Beide Mannschaften spielten nach dem frühen deutschen Tor, als wollten sie sich nich weh tun – das schlechteste und unsportlichste Spiel einer deutschen Nationalmannschaft ging als Schande von Gijon in die Geschichte ein.

Nachdem es direkt nach unserer Ankunft zu schütten begann, ließ es gegen Abend etwas nach und wir erkundeten die Stadt.

Altstadt von Gijon

Kirche San Pedro
Einer der schönsten Stadtstrände in Spanien

Gijon ist mit 274.000 Einwohnern die größte Stadt in Asturien. Leider wurde sie 1937 im Spanischen Bürgerkrieg fast vollständig zerstört. Es gibt nur sehr wenige alte oder restaurierte Gebäude.

Tag 8 – von La Isla nach Villaviciosa (23 km)

Ein gemütliches Abendessen im Hotelrestaurant und einen letzten netten Plausch mit Patti und John – das war unser Abend in La Isla. Die Amis wollten heute Nachmittag von unserem Tagesziel aus nach Oviedo mit dem Bus fahren, um Freunde zu treffen. Die beiden werden wir wohl nicht mehr wieder sehen. Roswitha trafen wir in La Isla nicht nochmal. Aber auch sie hatte heute das gleiche Etappenziel. Wir werden heute Abend die Augen offen halten.

Blick zurück

Blauer Himmel und Sonne – so sollte es den ganzen Tag bleiben. Um die 20 Grad war warm genug, um die 23 km berghoch und runter gut zu meistern. Die Spanier sagen wellig dazu – für uns Thüringer ist es schon ganz schön hügelig. Dies gilt für die ganzen zurück liegenden Etappen – wobei es morgen erst die eigentliche Bergetappe gibt.

Gefrühstückt haben wir nach 3 km im ersten Dorf vor der Kirche mit Schinken, Baguette und Tomate sowie Kaffee aus der nächsten Bar – wie so einige andere Mitpilger auch, die wir in den letzten 2-3 Tagen schon häufiger getroffen haben: die zwei Koreanerinnen, das nette Deutsch sprechende Pärchen aus dem Elsass, mit denen wir immer gern plaudern, ein französisches Pärchen, ein Vater mit seiner fast erwachsenen Tochter…

Eine kleine Kapelle am Weg

Die Spuren des gestrigen Regens waren überall noch deutlich sichtbar, wenngleich es heute zumindest zu Beginn fast nur auf asphaltierten kleinen Sträßchen entlang ging.

Maisspeicher mit Orangenbaum
Kleine Oase am Weg

Erst nach ungefähr der Hälfte führte uns der Camino über sehr schöne – wenn auch teils glitschige – Wald- und Feldwege. Aber bei Sonne sieht alles irgendwie noch schöner aus…

Blick in die Bucht von Villaviciosa

Als Nachwehen von der gestrigen langen Etappe kamen wir mit recht müden Beinen in Villaviciosa an. Ein klangvoller Name für ein 15000 Einwohner zählendes Städtchen – dabei heißt „viciosa“ wörtlich übersetzt bösartig. Die eigentliche Bedeutung des Ortsnamens ist aber „fruchtbare Stadt“, was sich auf das größte Apfelanbaugebiet Spaniens bezieht, die besten Hersteller von Sidra, dem spritzigen Apfelwein, haben hier ihren Sitz.

Eine nette Altstadt, ein kleines Restaurant auf einem hübschen Platz und eine Deutsch sprechende Kellnerin luden uns zum Essen ein. Das Menu del Dia war super. Das Schöne an unserer Bar war, dass unser Hotel nur 50 m weiter liegt. Wir haben 2 Stunden lecker getafelt – auch das Auge hat mitgegessen…

Gegrilltes Gemüse

Und dann…

kommen fünf Pferde an eine Bar…

und warten direkt neben unserem Tisch unangeleint in einer Reihe mitten an der Straße, bis ihre Reiter fertig sind mit Wein und Essen. Ein nettes Unterhaltungsprogramm.

Von Villaviciosa aus gibt es die Möglichkeit, auf dem Camino Primitivo über Ovideo nach Santiago de Compostella zu pilgern. Primitiv sollte zumindest nicht die Kondition sein, wenn man hier entlang laufen möchte. Es geht nämlich noch mehr die Berge rauf und runter. Der Camino del Norte ist schon ein gefürchteter Weg, weil er 2x mehr Höhenmeter für die Pilger bietet als der Camino Frances, auf dem fast 80 % der Pilger unterwegs sind. Was lernt der Leser aus diesen Zeilen: Carsten und Martina sind gut drauf. Im Fenster der täglichen Wegstrecke erkennt man oben links das Höhenprofil.

PS. Die Baumwollsocken erfüllen ihren Zweck immer noch hervorragend. Sie werden zwar schon an einigen Stellen etwas dünner, aber nach der abendlichen Waschung sehen sie wieder wie neu aus. Die geröteten Stellen an den Fesseln verschwinden allmählich.

Tag 7 – von Cuerres nach La Isla (27 km)

Abschied von Jolanda

Nach einem sehr schönen Abend mit unseren 3 Mitpilgern und einem perfekten Frühstück begann der Tag mit strömendem Regen. Abwarten war keine Alternative. Die Prognose war nicht erbauend. So packten wir uns in unsere Capes und stiefelten los. Die Amis waren schon gestartet, Roswitha holten wir nach ein paar Minuten ein. Nach 6 km schlammigen knöcheltiefen Wegen kamen wir im Städtchen Ribadesella an, machten kurz Rast und überlegten das 1. Mal, den Bus zu nehmen.

Aber wir verschoben die Entscheidung bis in den nächsten Ort, San Esteban.

13 km hatten wir rum, die Hälfte der Tagesdistanz. Der Regen hatte fast aufgehört, dafür war der Energietank leer. Ein Stopp in der örtlichen Herberge, ne Cola und aufbauende Worte von Hospitalera und Ehefrau ließen uns den Weg fortsetzen. Und wir wurden belohnt: mit zwei sehr schönen Dörfchen und interessanten Einblicken.

Die Waschstelle im Dorf
Maisspeicher

Diese für Asturien typischen quadratischen Maisspeicher – Hórreos genannt – sind oft so groß, dass sie heutzutage sogar als Wohnraum dienen, wenn sie als Speicher keine Verwendung mehr haben. In Galicien auf dem Camino Portuguese haben wir diese in länglicher Form und aus Stein schon kennengelernt.

auf dem Weg

Ein Grund fürs heutige Durchhalten waren natürlich auch die Meerblicke…

Das Ziel rückt näher

Und dann öffnete sich vor uns die Bucht von La Espasa, an derem Ende das Örtchen La Isla liegt.

Erschöpft aber sehr zufrieden kamen wir nach 27 km in unserem kleinen Hotel an. Und als erster begrüßte uns John. Er und seine Frau hatten einen Teil der Strecke mit dem Bus zurückgelegt. Es waren heute wohl ganz viele Pilger, die keine Lust auf Pilgern im Regen hatten! Stellenweise war der Weg so aufgeweicht, dass uns der Matsch bis zu den Knöcheln stand. Wir werden John und Patti  später zum Abendessen noch sehen. Vielleicht werden wir auch Roswitha treffen, die eigentlich in einem 100 m entfernt liegenden Hotel sich ein Zimmer reserviert hat.

Das Hotel ist so nett, unsere dreckigen Sachen zu waschen und zu trocknen. Das sollte man mal in Deutschland im Hotel nachfragen – da muss ich jede Socke einzeln bezahlen. Hier ist es einfach nur ein günstiger Service.

Unterwegs haben wir heute 2 Koreanerinnen bewundert. Während unsere Schuhe total dreckig vom Matsch waren, waren ihre Schuhe ganz sauber. Die Koreaner sind uns in einigen Belangen voraus.

Wir haben heute auch den obligatorischen Pilger, der den Weg als Wettrennen um Betten und die längste Tagesetappe versteht, getroffen. Auf einer Kuhwiese lies er sich weder von unserem Gruß, dem steilen nassen Hang, noch vom Kuhdung aufhalten! Drahtig hastete er wortlos von dannen. Von hinten sah er aus, als hätte er nicht mal die Zeit gehabt, die Jacke und den Rucksack richtig aufzusetzen.

Ein wenig Glück hatten wir trotz des schlechten Wetters übrigens auch. Immerhin war es ab ca. 11 Uhr bis auf vereinzelte Tropfen trocken. Als wir dann aber in unserem Zimmer das Gepäck abgelegt hatten, fing es wieder an aus Eimern zu gießen – wenn Engel reisen!