Tag 14 – von Olveiroa nach Cee (ca. 20 km)

Der Tag sollte ganz anders verlaufen als geplant. Nach knapp 250 km hatte sich eine kleine Blase an Martinas kleinem Zeh entzündet, so dass es zumindest für heute für sie nicht weiterging. Tief traurig, nicht wandern zu können, bot sich aber beim Frühstück der sympathische Toni, Kellner und Taxifahrer in einer Person, an, sie in den nächsten Zielort nach Cee zu fahren. Eine weitere Fußlahme, Claudin aus Belgien, gesellte sich dazu. Claudin ist mit ihrem Mann (61 und 65 Jahre, gerade pensioniert) in Belgien vor 8 Wochen gestartet. Ihre Wanderschuh sind nach knapp 1800 km kaputt gegangen und das neue Paar war etwas zu eng. Eine Sehnenentzündung zwingt sie, die letzten Tage jeweils ein Taxi zu nehmen, während ihr Mann die Etappen weiterlief.

Martina wurde direkt am Hospital abgeladen und ließ sich nach einiger Wartezeit in der Notaufnahme verarzten: eine professionelle Wundversorgung, Entzündungshemmer und der Aufforderung, auf längere Märsche in den nächsten Tagen zu verzichten. Keiner der Ärzte und Schwestern konnte ein Wort Englisch, aber dank Smartphone und Google gab es keine größere Verständigungsbarriere. Und dank EU ist mit dem Zeigen der Gesundheitskarte alles problemlos abgedeckt.

Während dessen machte sich Carsten allein auf den Weg. Mächtig neblig, aber immer sonniger werdend, genoss er die 20 km. Die Temperaturen liegen nach wie vor bei max. 16 Grad. Gegen Mittag zieht sich der Himmel meist zu, aber es bleibt meist trocken. Eine Engländerin, zwei Spanierinnen, die wir schon seit Santiago täglich treffen, und ein Norweger haben ihm die Zeit verkürzt. In 3:30 Stunden war er schon in Cee um Martina ggf. aus dem Krankenhaus abzuholen.

Die ersten Kilometer gingen entlang einem rauschenden Fluss, der ca. 50 m unter dem Weg verlief und alles in Nebel hüllte. Nach ca. 6 km kam die Gabelung, an der es nach Finisterre bzw. nach Muxia geht. Weil wir morgen ca. 5-6 km auf einem Sandstrand laufen wollen, geht es erst nach Finisterre und dann nach Muxia.

Das Meer kam nach ca. 10 km erstmals in Sicht, sogar bis zum Kap Finisterre. Übrigens heißt die Küste hier Costa del Morte (Todesküste – aufgrund der schwierigen Bedingungen für die Seefahrt und den daraus resultierenden Schiffbrüchen und Toten) und war früher als das Ende der bekannten Welt. Trotzdem hat es schon zu Zeiten der Römer viele Menschen hier her gezogen.

50 m nach dem Verlassen des Krankenhauses lief Martina Corinna und Bernd in die Arme. Eigentlich hätte man sich nicht wiedergesehen, da beide einen Tag weniger haben, nach Muxia zu gelangen. Die Freude war wieder groß und wir konnten uns richtig verabschieden.

Am Abend machten wir uns auf den Weg zu einer Apotheke, das Medikament holen und trafen am Busbahnhof auf die Belgier. Claudin wird morgen den Bus nach Fisterra nehmen. Da es auch für Martina besser ist sich zu schonen, wird sie Claudin begleiten. Gemeinsam beschlossen wir den Tag in der nächsten Bar.

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